Logistikzentrale Neckermann Versand AG

Hanauer Landstrasse 360 · Frankfurt a.M. - 2001

Bauherr: Neckermann Versand AG
Leistungsphasen: 1-5
Fertigstellung: 2001
BGF: 60.000 qm
Auszeichnungen: Renault Traffic Design Award

 

Mit dem weltbekannten Gebäude von Egon Eiermann in Frankfurt am Main demonstriert die Neckermann Versand AG bereits Anfang der 60er Jahre, wie stark Architektur die Corporate Identity eines Unternehmens prägen kann. Firmengrundsätze, wie Offenheit, Beweglichkeit, Zügigkeit und Flexibilität wurden bereits mit dem Traditionsgebäude architektonisch umgesetzt. Der hohe Flexibilitätsgrad einfach strukturierter Grundrisse beweist, dass diese über Jahrzehnte anpassungsfähig für verschiedene Entwicklungen bleiben. An diese Grundsätze knüpfen Dietz Joppien Architekten mit ihrem prämierten Wettbewerbsentwurf für die neue Logistikabwicklung an. Die positive Einstellung gegenüber den Mitarbeitern wird durch soziales Engagement und durch die Schaffung hochwertiger Arbeitsplätze vermittelt. Diese fordern eine weitestgehend natürliche Belichtung und Belüftung. Maßstäblichkeit und den direkten Bezug zu angenehm gestalteten Freiräumen. Ein signifikantes Gebäude, das an Traditionen anknüpft, zeitgemäße Grundsätze, wie den Einsatz intelligenter Technologie, bei bewusst schonendem Umfang mit der Umwelt einbezieht und Lust auf Zukünftiges anregt, wird angestrebt.

Die neue Planung für die Logistikabwicklung vollzieht den Schritt auf das dem bestehenden Firmengelände gegenüberliegende Areal. Maßgeblich für die Konzeption ist es, einen Bezug zum Egon Eiermann Gebäude aufzubauen. Dies gelingt durch Komprimieren und Komponieren der z. T. einander widersprechenden Nutzerwünsche zu einer prägnanten Großform, die auf eine städtische Art und Weise Adressbildung »betreibt« und durch Hierarchisieren der zur Verfügung stehenden Freiflächen das heterogene, räumlich fließende Umfeld ordnet.

Für die in maximal zwei Ebenen organisierbare Logistik, die erforderlichen umfangreichen Flächen für Lade- und Transportverkehr und für Parkplätze der Mitarbeiter, war die zur Verfügung stehende Grundstücksgröße bei weitem nicht ausreichend. Unter Sicherheitsaspekten sollte eine Überlagerung des PKW Verkehres und des operativen Betriebes im Lade- und Transportbereich der Logistik vermieden werden. Lösung dieses Problems war die Verlagerung des PKW-Parkens auf die lang gestreckte Dachfläche des Hallenkörpers. Rund 260 Parkplätze für Mitarbeiter sind auf dem Dach des Logistikgebäudes über eine signifikante, doppelt geführte Rampe erreichbar. Eine vollkommene Trennung von Logistikbetrieb und Parken wird hierdurch erreicht und die gewonnen Freiflächen gärtnerisch gestaltet. Konstruktion Die Rampe ist in einer riesigen Öffnung in der Front des Hochhauses eingehängt. Die oberen Geschosse des Hochhauses bilden über diesen »Durchbruch« eine Brücke. Die Konstruktion der sich in 3 1/2 »Umdrehungen« elegant zur Dachfläche über dem zweiten Geschoss der Logistik aufwindenden Rampen kann durch die abgependelte Konstruktion sehr schlank ausgeführt werden. Die Lösungen für den Verkehr sind als ästhetische Skulptur weithin sichtbar und integraler Bestandteil des Gesamtkonzeptes und verknüpfen so funktionale mit gestalterischen Aspekten.
Das gesamte Logistikgebäude besteht aus einem Stahlbetonfertigteilskelett, das durch die Erschließungskerne ausgesteift ist. Die äußerst einfache Grundstruktur ermöglicht die Integration der verschiedensten Nutzungen innerhalb einer prägnanten Großform (Einkaufsmarkt, Verwaltung, Lager, Logistik, Kantine, Parken). Die Erweiterung des Gebäudes kann in modularen Schritten vollzogen werden, die bei der statischen Dimensionierung und der Ausbildung der Anschlussdetails bereits berücksichtigt wurden. So lässt die statische Struktur sowohl eine horizontale Erweiterung der Logistik, wie auch eine Aufstockung um weitere 2 Geschosse zu. Das Parkgeschoss wird hiermit zu einem »Luftgeschoss« zwischen 1. Obergeschoß und den weiteren Geschossen.

Die Fassade reflektiert die Vielschichtigkeit des Gesamtkonzeptes. Sie formuliert sich als Projektionsfläche im Stadtraum, als energetisch effiziente Hülle, betont die Einheit des Gebäudes und reflektiert durch Offenheit einen Unternehmensgrundsatz. Die Außenhaut erzeugt aus dem Dialog unterschiedlich texturierter Glaswerkstoffe ein Spiel zwischen Transparenz und Transluzenz. Bewusst gesetzte Klarglaselemente gewähren sowohl den Außenraumbezug wie die optimierte natürliche Belichtung der Arbeitsplätze. Die Rhythmisierung des Hallenteils deutet Struktur und Funktionieren des »Industrieorganismus« an, ohne je die große Form aufzugeben. Im Inneren der Logistikhallen wurde viel Wert auf einen offenen und durchgängigen Hallenraum gelegt. Maßstäblichkeit entsteht durch grüne, inselartige Höfe, die die großflächigen Arbeitsräume gliedern und gestalten. Weder die Flexibilität noch die Effizienz funktionaler Abläufe werden hierdurch beeinflusst. Gleichzeitig tragen die Höfe zur natürlichen Belichtung und Belüftung der Flächen bei. Sämtliche dienenden Funktionen, sowie die Sozial- und Kommunikationsbereiche wurden in den Randspangen der Hallengeschosse angeordnet, um die Klarheit der Gebäudestruktur zu stärken, die Orientierung zu erleichtern und direkten Außenbezug zu ermöglichen.

Das Primat möglichst weitgehender, natürlicher Belichtung und Belüftung aller Arbeitsplätze – sowohl in der Hochhausscheibe als auch in den flächigen Hallengeschossen – führte zu einem synergetischen Konzept: Die enormen Betonmassen, die bei einem Fertigteilbau mit großen Spannweiten und einer Dimensionierung der tragenden Teile für mehrere Ausbaustufen entstehen, werden als Speichermasse aktiviert, die nach der nächtlichen Aufladung mit kalter Luft tagsüber als »Kühlrippen« fungieren und den Temperaturverlauf positiv beeinflussen. Dafür wurde auch in den hochwertigen Bürobereichen des Verwaltungsteiles auf konventionelle Abhangdecken und eine energieintensive Klimatisierung verzichtet, alle Fenster sind öffenbar. Die notwendigen hohen Luftwechselraten werden durch Aktivieren der Brandgasventilatoren realisiert. In der Halle wird das Konzept ergänzt durch einen vollflächigen außenliegenden Sonnenschutz mit »Lamellennachführung«, die dafür sorgt, dass trotz Sonnenschutz der Außenbezug nicht verloren geht. Im Hochhaus dagegen sorgt ein zentral gesteuertes Textilbehangsystem für das »optimale« Sonnenschutzverhalten, in ausgiebigen Simulationen wurden alle Parameter incl. des Windverhaltens aufeinander abgestimmt.