Fussgängertunnel Rheinfelden

Rheinfelden (Baden) - 2016

Standort: Basler Straße

Bauherr: Stadt Rheinfelden (Baden)

Wettbewerb: VOF

Leistungsphasen: 5

Kooperation: LunaLicht Lichtarchitektur, zwo/elf Büro für Gestaltung, Roland Stratmann

Fotos: Juri Jukov

 

Kontext
Ein im Jahr 2014 verabschiedeter Masterplan hat das erklärte Ziel, Rheinfelden (Baden) eine unverwechselbare Identität zu geben. Dem zugrunde liegt ein Leitbild, dessen Schwerpunkte die Stärkung und Zusammenführung der einzelnen Quartiere und die grüne Durchwegung der Stadt bis hin zum Fluss sind, von dem sie bislang in weiten Teilen durch einen parallel zum Ufer verlaufenden Bahndamm abgeschnitten ist. Nicht zuletzt soll darüber hinaus Rheinfelden mit der schweizer Schwesternstadt auf der anderen Rheinseite verbunden werden.
Als eine der ersten konkreten Maßnahmen wurden daher die Sanierung und gestalterische Aufwertung der Fußgängerunterführung durch den Bahndamm beschlossen. Diese liegt in der direkten Verlängerung einer historischen Fußgängerbrücke, welche die Schweizer Stadt mit ihrem badischen Pendant verbindet. Die Unterführung bildet so von der Flussseite her das Eingangstor zur Stadt.
Höheren Ansprüchen konnte der bisherige Tunnel in keiner Weise gerecht werden. Statt auf eine Geste des Willkommens trafen die Besucher nach der Überquerung
der Flussauenlandschaft auf einen düster beklemmenden Durchschlupf unter dem Bahndamm. Eine umfassende Neugestaltung der Unterführung soll sie entscheidend aufwerten und den Durchgang in ein hell einladendes Entree in die Stadt verwandeln, das auch alle sicherheitstechnischen Auflagen erfüllt.

Die Konzeption
Die besondere geographische Konstellation der beiden Rheinfelden legte es nahe, den Rhein zum Leitmotiv der Gestaltung zu machen und seine Bedeutung für die Menschen beidseits des Flusses unter verschiedenen Blickwinkeln zu thematisieren: die verbindenden und abgrenzenden Aspekte, ihre historischen Manifestationen ebenso wie die emotionale Bedeutung des Flusses, die sich widerspiegelt in alten Mythen und überlieferten romantischen Erzählungen.
Eine Seite des 60 m langen Tunnels zeichnet daher wie in einem Scherenschnitt silhouettenhaft abstrahiert den Verlauf des Stromes in genau jenem Abschnitt nach. Die auf die Wand aufgebrachte Großform macht die Kraft, mit der er sich seit Jahrtausenden sein Bett durch die Landschaften gegraben hat, physisch erlebbar. Das Band des Flusses ist mit Licht »nachgezeichnet« und erhellt die Unterführung.
Die gegenüberliegende Tunnelwand hingegen ist der Geschichte und den Geschichten des Rheins gewidmet. In den Texten, die sich hier zusammenfügen, »erzählt« der Fluss Begebenheiten und Legenden und weist auf Sehenswürdigkeiten und Kuriositäten zu beiden Seiten des Ufers hin. In kurzen Sätzen öffnen sich Blicke in die Vergangenheit und erinnern an die Historie der Region. Diese Rückschau ermöglicht Bezüge in die Gegenwart und verdeutlicht den Wandel der Zeit. Die Beschreibungen sind auf Hochdeutsch, aber auch in den örtlichen Dialekten verfasst und zeugen von der Verbundenheit der Menschen mit ihrer Region.

Gestaltungs- und Sicherheitselement

Das Licht strahlt hier nicht wie üblich von der Decke herab, sondern leuchtet als breites, weitläufiges Band die gesamte Seitenwand horizontal aus. Neben den sich eröffnenden gestalterisch-atmosphärischen Möglichkeiten konnte damit auch funktionalen Sicherheitsaspekten Rechnung getragen werden, da der Raum hell und gleichmäßig ausgeleuchtet wird. Der dynamisch geschwungene Lichtfluss wandelt das Beengende des Tunnels und öffnet den Raum. Im Zusammenspiel mit der direkt angeleuchteten Textwand entsteht die dichte Atmosphäre eines besonderen Ortes, der statt zum eiligen Durchqueren zum Innehalten und Entdecken einlädt und den Passanten zum Teil der Inszenierung macht, indem die Schemen der querenden Fußgänger und Radfahrer durch das Lichtband auf die Textwand geworfen werden. So tauchen die Passanten buchstäblich in den Rheinfelder Geschichtsfluss ein und werden Teil jener Geschichten die der Fluss erzählt.

Überarbeitung eines Textes von Matthias Friedrich