S-Bahn Station Taunusanlage

Frankfurt a. M. - 2016


Standort: S-Bahn Station Taunusanlage · Frankfurt a.M.

Bauherr: Deutsche Bahn AG, Stadt Frankfurt a.M.

Leistungsphasen: 3 - 9 als Generalplaner

 

https://vimeo.com/195967144


Kontext

Fast 200 Millionen Fahrgäste seit Inbetriebnahme, knapp 30 Jahre Betrieb und nicht zuletzt soziale Probleme im Umfeld der S-Bahnstation hatten bis 2007 ihre Spuren auch in den unter der Erde gelegenen Anlagen der Station hinterlassen. Eine in die Jahre gekommene, wenig einladende Gestaltung, Vandalismus, Verunreinigungen, unübersichtliche Stellen und ungenutzte Ecken verschärften die Situation. Der Haltepunkt wurde zunehmend als Angstraum wahrgenommen. Das Umfeld der S-Bahnstation konnte jedoch bis heute entscheidend aufgewertet werden.


Zielsetzung

Vor diesem Hintergrund, aber auch im Zusammenhang mit baulichen Nachverdichtungen im Bankenviertel ab 2002 und dem damit verbundenen höheren Fahrgastaufkommen wurde es notwendig, den S-Bahnhof einer grundlegenden Neugestaltung zu unterziehen. Zielsetzung des Projektes war es ein Konzept für die Aufwertung und eine zeitgemäße Gestaltung des Verkehrsbauwerks zu erarbeiten, das heutigen Anforderungen bezüglich Nutzung, Funktionalität, Orientierung der Nutzer, Einbindung in die Stadt und nicht zuletzt Gestaltung von Raum und Licht gerecht wird. Besonderes Augenmerk wurde auf die Steigerung des Sicherheitsgefühls, sowie der Orientierung im Bauwerk gelegt.


Projekt

Das architektonische Konzept zur Aufwertung der neuen S-Bahnstation Taunusanlage basiert auf 2 maßgeblichen Säulen:

• Die Adaption des überdimensionierten Raumes an die Personenströme
• Verbesserung der Orientierung im Raum durch die Lichtgestaltung

Aus einer grundlegenden Analyse der Personenströme im Raum wuden neue Raumgeometrien entwickelt. Ehemals ungenutzte Ecken bieten Platz für die Nachverdichtung mit Flächen gewerblicher oder kulturelle Nutzungen. Konkret wurde so ein Kiosk mit Nebenräumen sowie mehrere Vitrinen zu Ausstellungszwecken integraler Bestandteil der neuen S-Bahnstation.
Außerdem kann durch diese Nachverdichtung der Nutzer besser im Raum geführt werden –also zu den Ausgängen oder zum Gleis - die Orientierung im Allgemeinen wird erleichtert und nicht zuletzt durch die Beschleunigung der Ströme die Kapazität des Bauwerks erhöht.
Das farbige Lichtkonzept mit langen LED-Lichtlinien in Decke und Handläufen unterstützt die Orientierung im Raum und führt den Nutzer von der Bahnsteigebene bis zu den Ausgängen ins Freie. Grünes Licht geleitet dabei zu den grünen Bereichen der Parkanlage, blaues Licht hingegen zu Stadt und den Bürotürmen.
Im Kontrast zu den auffälligen Lichtinstallationen in Decke und Handläufen sowie den „Schaufenstern der Kunst“ sind die Boden- und Wandflächen eher zurückhaltend gestaltet. Die Wände bestehen in den Ebenen aus großformatigen grauen Glasfaserbetonplatten, in den „beschleunigten“ Bereichen von Treppe und Rolltreppe hingegen aus kleinteiligen Platten und Glasmosaiksteinchen. Als Bodenbelag kommt durchgängig grauer Naturstein zum Einsatz. Dieser Boden korrespondiert in Raster und Größe mit der Decke aus hinterleuchtetem Streckblech.
Die Ausstellungsflächen und der Kiosk erweitern das Nutzungsspektrum jenseits eines reinen Verkehrsbauwerkes. Wechselnde Ausstellungen in den Kulturvitrinen und damit verbundene kleine Veranstaltungen kennzeichnen den Wandel von einem sozialen Brennpunkt hin zu einem sozialen Treffpunkt, hin zu einer modernen Verkehrsstation die mehr ist als nur Bahnhof, sie ist Raum für Mobilität, Kultur im urbanen Raum und für kurzes Verweilen.


Oberflächen und Material Licht als führendes Element

Wartungs- und verbrauchsarme lineare LED-Leuchten in den Farben Grün und Blau sind die zentralen Elemente des Beleuchtungskonzeptes. Neben der Ausleuchtungen des unterirdischen Raumes, zielt diese Konzept vor allem auch darauf, Licht als den Nutzer führendes und leitendes Element einzusetzen. Die Allgemeinbeleuchtung des Raumes erfolgt über punktuelle Reflektorleuchten im Hohlraum zwischen Stationsdecke und abgehängter Decke aus Streckblech und ist somit blendfrei. Die in der Verteilerebene B bewusst eher schlicht gehaltenen grauen Wände, die Streckbleche der Decke sowie der in allen Ebenen durchgängig graue Fußboden stehen in Kontrast zum auffälligen Beleuchtungskonzept. Auch die Mosaikfliesen in den Bewegungsbereichen der Treppen und Rolltreppen sind aus diesem Grunde in verschieden Graunuancen gehalten. Ein weitgehender „neutraler“, durch seine Materialität jedoch elegant wirkender Raum stellt somit den Hintergrund und die Reflexionsfläche für die aufwendige Lichtkonzeption dar. Neben den bis zu 12 Meter langen linearen Leuchtbändern in der Decke sind die führenden Beleuchtungselemente auch in und neben den Handläufen von Treppen und Rolltreppen angebracht. Indirektes farbiges Licht reflektiert blendfrei auf den Wänden. Die Wände werden so zum zentralen Bestandteil des Leitsystems.
Lediglich in der Gestaltung der Wände des Bahnsteigtunnels mit vertikalen Streifen in verschiedenen Grün- und Blautönen spiegelt sich das Farbkonzept der Beleuchtung in anderer Weise wider. Auf Abstand montierte, farbige Aluminiumpaneele bilden eine rhythmische Wandgestaltung. Der Betrachter in den aus- und einfahrenden Zügen wird durch die sich verändernde Geschwindigkeit abbremsender bzw. beschleunigender Züge so ein dynamisches Wandrelief wahrnehmen. Ein Spiel mit der perspektivischen Wahrnehmung des Tunnels aus Sicht des wartenden Fahrgastes ist Bestandteil der Wandgestaltung.


Kulturort S-Bahnstation

Bereits in mehreren Ausstellungen während der Umbaumaßnahmen und zur Eröffnung zur Luminale 2016 fanden verschiedene Ausstellungen teils namhafter Frankfurter Künstler statt.
Die S-Bahnstation Taunusanlage zeigt somit exemplarisch den Anspruch an eine moderne Verkehrsstation. Sie ist mehr als ein Haltepunkt für Züge, vielmehr ist sie ein aktiver Bestandteil des öffentlichen Raumes in einer urbanen Umgebung mit hoher Aktivitätsdichte für und mit den Bewohnern einer modernen Großstadt wie Frankfurt am Main.